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Blog | | von P. Bensmann

Leinen los! - Tag 6-7 - Das Wochenende auf See

Heute mit dem Eintritt in die High Risk Area und nächtlichen Überraschungen   

Gegen 12:00 Uhr am Freitag sollte es soweit sein. Wir laufen in die High Risk Area (HRA) ein, ich beobachte währenddessen mit Spannung das Meer von der Brücke aus. Ich weiß nicht, was ich mir von der HRA erwartet habe, doch nach der Geschäftigkeit in der Straße von Malakka und zwischen Sumatra und Sri Lanka, hätte ich zumindest mehr Schiffsverkehr erwartet. In den nächsten Stunden sehe ich weder andere Schiffe noch Fischerboote. Anscheinend verlaufen sich die Schiffsrouten in den unendlichen Weiten des Ozeans doch stärker als gedacht. Schließlich sind es recht voraus ca. 500 Seemeilen und achteraus ca. 430 Seemeilen bis zum Afrikanischen- bzw. Indischen Festland. Auch beachtlich: Unter uns befinden sich zurzeit fast 5.000 Meter Wasser bis zum Meeresgrund.

Der nächste Höhepunkt wird offensichtlich die Einfahrt in den internationalen Transitkorridor am Sonntagabend. Als sicheren Transitkorridor bezeichnet man den gut 430 Seemeilen langen Seeweg vom Horn von Afrika durch den Golf von Aden. Schon vor Jahren kam es in dieser Region wiederholt zu Kaperungen. Zum Schutz der Entwicklungshilfe und des maritimen Handels wurde die ATALANTA Mission gegründet. Hierzu bündelten verschiedene Industrienationen ihre Marinestreitkräfte. So wurde unter anderem durch die Mithilfe von der Bundesrepublik Deutschland der Seeweg ein gutes Stück sicherer. Als ich abends zu Bett gehe, wird mir bewusst, dass wir in den Nachtstunden in den Teil der HRA einlaufen, der deutlich küstennäher ist und somit  auch den "Hot Spot" der vielen Piratenangriffe in den letzten Jahren darstellte und noch immer von Piraten heimgesucht wird.


Mitten in der Nacht, gegen 04:00 Uhr, werde ich plötzlich wach. Durch das verdunkelte Bullauge meiner Kabine dringt helles Licht. Ich schiebe den Vorhang zur Seite und erkenne ein größeres, hell erleuchtetes Schiff mit mehreren kleinen Beibooten. Durch die Angst vor Piraten getrieben, greife ich instinktiv nach meiner für den Notfall gepackten Reisetasche. Ist das jetzt der Ernstfall? Habe ich die drei aufeinanderfolgenden Signale, sowie die Durchsage verschlafen? Vielleicht sind schon alle in der Zitadelle, während ich noch in meiner Kabine sitze. Viele Gedanken schießen mir durch den Kopf. Nun hellwach, greife ich  zu meinem Fernglas und ermutige mich selbst, durch das Bullauge auf das nächtliche Treiben zu schauen. Ich sehe  mehrere Frachtschiffe, die rund um das hell erleuchtete Schiff zu treiben scheinen. Erleichterung macht sich breit, als mir klar wird, dass es sich hier offensichtlich um den Treffpunkt für das Boarding der bewaffneten Sicherheitskräfte  handelt.  Armed Guards  werden auf vielen Schiffen als zusätzlicher Schutz  vor Piraten eingesetzt.  Da die Hatsu Crystel eine recht fixe Dame ist und sich ihren Weg im Service Speed mit guten 18 kn durch die See bahnt, haben wir gute Chancen unbehelligt durch diese Gewässer zu kommen.  

Ein neuer Tag! Da ich mein Sonnendeck in der HRA ja nicht betreten darf, verbringe ich täglich einige Zeit auf der Brücke bzw. auf dem Außenbereichen der Brücke, den sogenannten "wings", welche sich an Steuerbord und Backbord der Brücke befinden. Neben interessanten Gesprächen mit der Crew vertreibe ich mir die Zeit damit das Meer zu beobachten. Was mich anfänglich langweilt, wirkt mit der Zeit immer beruhigender, ja fast meditativ auf mich. Das Meer flößt mir großen Respekt ein, schließlich ist auf einer Strecke zwischen Münster und Salzburg nur Wasser um mich. Ich fange an, den Ozean als Landschaft zu sehen, die sich immer wieder ändert. Das Wasser ändert seine Farbe je nach Licht von eisgrau zu dunkelblau bis hin zu türkis. Bei ruhiger See spiegelt sich die Sonne auf der Wasseroberfläche, streicht eine leichte Brise über die See, glänzt die Sonne auf dem Wasser wie tausend kleine Sterne. Auch nehmen die Wellenkämme immer neue Formationen ein. Die ständig neuen Wolkengebilde ergeben im Zusammenspiel mit der Sonne ein bizarres Gesamtbild, welches sich von jetzt auf gleich ändern kann.

Am Sonntagabend um 19.30 Uhr erreichen wir den östlichen Rand des Golf von Aden. Natürlich stehe ich mit meinem Fernglas auf der Brücke. Die Dämmerung macht sich von Osten her breit und hüllt die See in Dunkelheit. Der Schiffsverkehr nimmt nun wieder zu, obwohl der Golf an dieser Stelle mit knapp 200 Seemeilen noch recht breit ist.  Auf den nächsten 800 km verjüngt sich der Wasserweg zusehends, sodass ich hoffe, weitere Schiffe während unseres Transits beobachten zu können. Spätestens in der Meeresenge von Bab el-Mandep, werden wir zwangsläufig auf „Gegenverkehr“ stoßen. An dieser Stelle zwängt sich der europäisch asiatische Seehandel auf einer Breite von knapp 14 Seemeilen durch die Meeresenge zwischen Afrika und der arabischen Halbinsel.

Ich bin gespannt und werde berichten.

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