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Blog | | von P. Bensmann

Leinen los! - Tag 5 - Der Indische Ozean

Heute mit Klönschnack in der Offiziersmesse, Crewtraining und einem Ausflug in die Zitadelle.
Den Tagesverlauf des vierten Tages kann man unter „keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden“ schließen. Nachdem ich mich auf der Brücke über den Reiseverlauf informiert habe, lädt die vom Himmel lachende Sonne auf das  Sonnendeck ein. Ich mache es mir in meinem Liegestuhl bequem und genieße bei einem Hörbuch die Seeluft und die Aussicht auf den nicht zu enden scheinenden Indischen Ozean. Hörbücher sind eine gute Empfehlung. Man hat die Möglichkeit auf die See zu blicken und kann nebenbei spannende Kriminalfälle lösen. Der stetige Blick auf den Horizont verhindert zudem, dass sich die Seekrankheit einschleicht.


Erstaunlicherweise finde ich trotz der ständigen Zeitumstellerei recht schnell in die  Tagesroutine und den Schiffsalltag an Bord der gigantischen Lady. Zwischen 07.30 und 08.30 Uhr frühstücke ich. Danach bietet sich meist ein Gespräch mit den Seefahrern. Anschließend halte ich bei frischer Seeluft die neu erlangten Informationen für meinen Blog fest. Pünktlich um 12.00 Uhr gibt es Mittagessen. Danach nehme ich mir die Zeit meine Blogberichte zu verfassen, welche dann meine Kollegen in Münster, redaktionell überarbeitet, online stellen. Ich habe hier an Bord nur die Chance via E-Mail zu kommunizieren, ansonsten bin ich komplett „offline“, was für mich eine Herausforderung ist, die mir gleichermaßen einmal gut tut. Am Nachmittag sind ab und zu Briefings angesetzt, die mir immer einen ausführlichen Einblick in die Arbeiten auf dem Containerriesen geben. Bei einer Tasse Kaffee am Nachmittag ergibt sich meist ein kurzer Klönschnack mit der Crew. Es ist sehr bereichernd für mich, mit den Seeleuten zu sprechen und zu erfahren wie das Leben an Bord funktioniert, welchen Hintergrund sie haben, woher sie kommen und was sie auf See geführt hat. Mit Seefahrerromantik hat das meist wenig zu tun.


Am frühen Abend erhält die ganze Crew per Durchsage die Information, dass morgen um 16.30 Uhr das Piraterie Training stattfindet. Vorfreude und Spannung machen sich in mir breit, bevor ich gegen 21:00 Uhr in meine Kajüte geh. Es kehrt Ruhe auf dem Schiff ein. Es scheint so als ob die frische Seeluft nicht nur mich müde stimmt.


Tag 5 auf See – Gelockt vom Kaffeeduft, freue ich mich auf mein Frühstück. Der Weg führt mich an der Infotafel vorbei. Die aufkommende Vorfreude schüttelt das letzte bisschen Müdigkeit aus mir heraus, als ich die Aufforderung zum Crew Training lese. Doch bis 16.30 Uhr bleibt noch genügend Zeit, um meinen „Aufgaben“ an Bord nachzukommen. Ein Offizier nimmt sich ein wenig Zeit für mich und erklärt mir ein paar Dinge zu unserer Route. Meiner Verwunderung, dass man hier mitten auf dem Indischen Ozean fast immer ein anderes Schiff sichten kann, entgegnet er mit der Erläuterung, dass dies die Hauptroute des Seehandels zwischen Asien und Europa ist. Als ich wenig später auf meinem Liegestuhl das Sonnendeck genieße, springen mir unübersehbar die bunten Container ins Auge. Was da wohl alles drin sein mag? Meine Sportschuhe, meine Jeans, mein T-Shirt und auch mein Mobiltelefon dürften genau diese Reise schon einmal gemacht haben. Wie ein kleines Kind, welches die bunten Päckchen unterm Tannenbaum betrachtet, würde ich am liebsten einmal schauen, was hier so verschifft wird. Ein Wunsch der wohl ein Traum bleiben wird!
Um meine maritimen Kenntnisse etwas praxisorientierter anzulegen, nutze ich die Chance dieser hoch frequentierten Seestraße. Mit dem Fernglas in der Hand versuche ich mich darin, die verschiedenen Schiffstypen und deren Reedereien zu erkennen. Bekannte Namen kommen hier und dort auf. Dieses „Schiffe / Reeder raten“ könnte sich für den Rest der Reise zu einem wahren Hobby entwickeln. Plötzlich stelle ich fest, dass die Hatsu Crystal eine ganz besondere Eskorte hat. Für einige Minuten begleiten uns Delphine, die sich einen Spaß daraus machen, in der Bugwelle des Ozeanriesen zu spielen. Leider schlagen sie nach kurzer Zeit eine andere Route ein.


Pünktlichkeit wird an Bord groß geschrieben. 16.30 Uhr Crew Training! Die gesamte Besatzung findet sich im Ship’s Office ein. Der dritte Offizier informiert uns, dass wir morgen gegen 11.00 Uhr in die High Risk Area (HRA) einfahren. Für die Jungs hier um mich herum im Prinzip Routine. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich eine leichte Anspannung breit macht. Der Ruf dieses Seegebietes eilt ihm voraus. Jeder ist angewiesen, für den Fall eines Notfalls und dem potentiellen Aufenthalt in der Zitadelle eine kleine Tasche mit Arzneimitteln und anderen wichtigen persönlichen Dingen griffbereit zu halten. Für Wasser und Verpflegung ist in der Zitadelle gesorgt. Es gibt ein spezielles Signal, welches auf Piraten hinweist. Dreimal kurz mit einer darauf folgenden Durchsage. Zur Verinnerlichung wird dieses zweimal vorgespielt. Abweichend zu üblichen Notfall-Procedere wie im Falle von Feuer etc. versammelt man sich im Piraterie-Fall umgehend im Ship’s Office und nicht wie üblich bei den Rettungsbooten. Neben den Anweisungen für das Verhalten im Ernstfall gibt es weitere, konkrete Handlungsanweisungen, die das Risiko einer möglichen Notsituation mindern sollen. Es wird  sichergestellt, dass während der gesamten Fahrt durch das Risikogebiet alle Türen verriegelt werden und sämtliche Fenster nach Einbruch der Nacht verdunkelt sind. Letzteres ist wichtig, damit sich unser Schiff durch unnötige Außenbeleuchtung nicht selbst zur Zielscheibe für Piraten macht. Auch der Ausguck auf der Brücke wird für die Zeit im Risikogebiet verstärkt. Auf dem Außenschiff werden nur noch dringend notwendige Arbeiten durchgeführt, auch dabei trägt man dem Sicherheitsgedanken Rechnung, in dem nur in Kleingruppen, begleitet durch einen Beobachter gearbeitet wird. Geschlossen machen wir uns nun auf den Weg zur Zitadelle. Der Weg vom Ship’s Office zur Zitadelle dauert nicht einmal zwei Minuten. Die Zitadellen-Tür kann von innen mit einem schweren Eisenrad verschlossen werden. Mit ca. 2 Meter Breite und ca. 15 Meter Länge, kann man nicht gerade von einem üppigen Raum sprechen. 25 Seeleute sollen hier Platz finden. Mich überkommt ein mulmiges Gefühl, als ich daran denke, dass Menschen schon vielfach Stunden und Tage so um ihr Leben bangen mussten, während Piraten versuchten, die einzige Barriere zwischen ihnen und den potentiellen Geiseln zu knacken. Ein Szenario, welches ich niemanden wünsche.


Bereichert durch die heutigen Erlebnisse, verabschiede ich mich ins Wochenende. Gerne berichte ich Euch am Montag wieder von meinen Erlebnissen auf der Hatsu Crystal.

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