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Blog | | von R. Langemeyer

Leinen los! - Tag 3 - In der Straße von Malakka

Tag 3 – Ein endlicher Ausblick in der geschäftigsten Seestraße der Welt.
Wir sind inzwischen auf gutem Weg durch die Straße von Malakka. Schon beim Aufstehen kann ich den Blick auf Containerriesen, Bulker, Tanker und natürlich die chaotisch daherkommenden Fischer werfen. Bei so viel Verkehr braucht der Magen erstmal eine Stärkung.

Auf dem Weg zum Speiseraum komme ich täglich an der Informationstafel vorbei. Hier werden Crew und Passagiere täglich über alles Wichtige an Bord informiert. Oft sind es Dinge, die mich nicht weiter betreffen, heute muss jedoch über Nacht die Uhr umgestellt werden. Verpasse ich das, fällt das Frühstück aus. Das wäre nicht nur aufgrund der verpassten Mahlzeit ärgerlich, die gemeinsamen Mahlzeiten bieten auch die Chance sich mit der Besatzung auszutauschen. Heute muss ich erst einmal lernen, dass meine Wiedergutmachung mit einer Runde Bier problematisch sein könnte. Es gibt strikte Vorschriften an Bord. Bier und Wein sind nur in quasi homöopathischen Dosen erlaubt, Schnaps gar nicht. So viel zu dem Seemannsklischee.

Generell ist der Verpflegungsbereich aufgeteilt in die Schiffsmesse und Offiziersmesse. Gäste, wie ich, werden mit den leitenden Kräften an Bord in der Offiziersmesse untergebracht, die Crew in der Schiffsmesse. So komme ich quasi täglich in den Genuss eines Kapitänsdinners. Mit einem Kreuzfahrt-Entertainment-Essen, à la Traumschiff hat das an Bord der Hatsu Crystal jedoch wenig gemein. Es ist ein nüchternes Beisammensein, die Konversation findet unter klarer Führung des Kapitäns statt. Immerhin lädt man mich auf die Brücke ein.

Beim Betreten der Kommandobrücke wird mir klar, welche Verantwortung es mit sich bringt, einen solchen Koloss zu beaufsichtigen. Nicht nur für die Sicherheit der Crew sondern auch für Ladung und Schiff. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, gibt es eine scheinbar unendliche Anzahl von Steuerungscomputern, deren Sinn mir der Kapitän kurz und knapp erklärt, sich mir aber nicht vollends erschließt. Ich genieße den Blick über die Hatsu Crystal, den Überblick über die knapp 334 Meter Länge und 43m Breite, unterbrochen nur durch die knapp 8.000 TEU, ist unglaublich. Die Schiffe links und rechts von uns schrumpfen zu Zwergen. Ob das jetzt Fischer oder Piraten sind – bei diesem Freibord und der Geschwindigkeit sollte der Größenvorteil für mich arbeiten. Dennoch schießen mir die Bilder von Captain Phillips durch den Kopf. Zum Abschluss des Besuchs sagt der Kapitän dass dies zwar „not an entertainment bridge“ sei, dennoch lädt er mich auf weitere Besuche ein. Das werde ich mir nicht nehmen lassen.

Schließlich lasse ich den Tag auf dem Sonnendeck ausklingen. Ich überblicke mit der Straße von Malakka eine der geschäftigsten Seestraßen weltweit. Über 64.000 Schiffe passieren diese Gewässer pro Jahr laut einer groben Schätzung, die ich an Bord aufgeschnappt habe. Es kommt mir so vor als seien es genauso viele pro Tag. Kein Wunder, dass es hier immer wieder zu Schiffskollisionen kommt, denke ich mir und gehe noch einmal im Kopf durch, was ich auf dem Lehrgang zum Verhalten in solchen Fällen gelernt habe. Das Wetter ist inzwischen immer noch unglaublich heiß, der Wind an Bord macht es jedoch erträglich.

Jetzt bloß an die Zeitumstellung denken – auf dem Weg zum Abendessen laufe ich, Gott sei Dank, noch einmal an der Informationstafel vorbei. Frühstück gerettet.

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