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Blog | | von P. Bensmann

Leinen los! - Tag 2 auf der Hatsu Crystal

Erkundungsvorschriften und wie man es schafft eine Fahrt zu verzögern.

In der Kabine angekommen will ich das große Ganze betrachten und werde auch hier von dem dritten Offizier eingefangen. Zuerst gibt es eine strikte Einweisung, einen Rundgang und die Verhaltensregeln an Bord. Ziemlich bürokratisch das Ganze. Ich lerne den Notfallsammelplatz kennen, die Fluchtwege und Rettungsboote. Man klärt mich darüber auf, wie ich mich bei schwerer See zu verhalten habe, wie ich mich in einer Rettungsweste über Wasser halte und welche Signaltöne zu welcher Gefahrensituation gehören. Ein leicht mulmiges Gefühl macht sich breit, aber immerhin bin ich jetzt vorbereitet.

Zuletzt führt man mich in die Zitadelle und Fragen über Fragen sprudeln aus mir heraus zum Verhalten im Falle einer Piraterie. Höflich unterbricht man meinen Enthusiasmus. Es gibt ein gesondertes Crew Training vor Eintritt in das Gefahrengebiet für die gesamte Besatzung – ich merke man nimmt die Gefahr an Bord ernst. Am Ende der Einweisung quittiere ich meine Teilnahme mit einer Unterschrift – Ordnung muss sein.

Wie im Flug vergeht die Zeit, denn es ist alles aufregend neu für mich. Inzwischen ist es schon Nachmittag und ich werde darüber informiert, dass wir gegen 19:30 auslaufen. Da bleibt noch etwas Zeit fürs „Sonnendeck“, wie ich meinen Balkon und die liebevoll drapierten Klappstühle getauft habe. Bei 38 Grad und leichtem Wind mache ich das, was ich immer schon einmal tun wollte: Ich schaue Anderen bei der Arbeit zu, nämlich den mächtigen Ladekränen. Wie in einem gigantischen Legokasten finden mehr als 7.000 Container ihren Platz auf dem Schiff. Plötzlich geht dann alles schnell in Schifffahrtsmaßstäben. Das Tankschiff legt ab, Schlepper sind bereit, das Schiffshorn ertönt – es geht los! Oder eben auch nicht – irgendwas scheint zu haken. Nach einigen Minuten kommt der dritte Offizier und erklärt, dass man mich suche und bereits mehrfach angerufen habe. Bei meinem Sonnenbad blieb die Aufmerksamkeit wohl auf der Strecke. Die Behörden vor Ort wollen mich in jedem Fall noch einmal persönlich begutachten bevor das Schiff den Hafen verlassen darf und somit bin ich der Grund für die verspätete Abreise. Die gründlichen Grenzposten haben im Endeffekt nichts zu beanstanden. Morgen werde ich den Kapitän fragen, ob der gute deutsche Brauch einer kleinen Runde Bier für die 23 köpfige Mannschaft auch auf einem Schiff geeignet ist, um die Sache wieder gut zu machen.

Jedenfalls geht es nach der Prüfung los. Wie zwei fleißige Ameisen ziehen die Schlepper den schier übermächtigen Stahlkoloss Richtung Hafenbecken. Nach nicht einmal einer Stunde kann die Hatsu Crystal - gedreht um ihre eigene Achse - aus eigener Kraft das
Hafenbecken verlassen. Der Blick auf den Hafen offenbart ein riesiges Kuddelmuddel von Schiffen, das für den Laien nach Chaos aussieht, aber das Produkt sehr sorgfältiger Planung ist. An die 1000 Liegeplätze beherbergt der Hafen von Singapur, es wimmelt auf der Ausfahrt von Containergiganten und mittelgroßen Frachtschiffen. Zwischen diese Giganten des Ozeans tummeln sich die Fischer mit ihren Booten. Der Kapitän muss mehrfach das Schiffshorn zur Warnung betätigen und bahnt sich seinen Weg aus dem Hafengebiet. Jetzt geht es weiter Richtung Straße von Malakka – es ist 23.00 Uhr und Zeit zum Schlafen.

 

 

 

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