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Blog | | von P. Bensmann

Leinen los! - Tag 11 - Den Suez Kanal recht voraus

Heute mit Delphinen im Heckwasser und einem Rundgang zwischen bunten Boxen
In der Morgensonne kommt mir die Idee eines Rundgangs über das Außenschiff. Aufgrund der mittlerweile wieder ruhigen Wetterlage gibt mir die diensthabende 2. Offizierin ihr ok.


Ein schmaler Gang, unter Seeleuten Gangbord genannt, führt rund um das Schiff entlang der Reling. Auf meinem Weg zum Vordeck passiere ich unzählige Container. Die ca. 4.000 LKW Ladungen stapeln sich neun Etagen tief in den Schiffsrumpf und fünf Etagen in die Höhe. Die Hatsu Crystal könnte sogar noch zwei Deckslagen mehr stauen. Im Gegensatz zur Reederei bin ich erfreut über die fehlende Vollauslastung. Ansonsten würde ich der wunderbaren Panoramasicht auf dem Sonnendeck beraubt werden. Entlang der international genormten Frachtbehälter aus Faltstahl gelange ich zum Bug. Die manngroßen Seilwinden flößen mir Respekt ein. Ein einziges Glied der Ankerkette misst mindestens einen halben Meter. Die Ausmaße der Ankerkette und der Winschen reihen sich also nahtlos in die übrigen Dimensionen des Ozeanriesen ein, frei nach dem Motto: nicht kleckern sondern klotzen.


Die Szene aus dem Film Titanic im Hinterkopf, kann ich der Versuchung nicht widerstehen. Ich imitiere die berühmte Szene aus dem Film Titanic... bestimmt nicht so grazil wie Kate Winslet, aber zu den Größenordungen des Containerfrachters und seiner riesigen Seilwinden in meinem Rücken gebe ich bestimmt eine ordentliche Figur ab. Wenn nicht, bekommt es außer mir auch niemand mit.

Der 334 m lange Weg zum Heck des Schiffes führt mich an immer weiteren Containern vorbei. Auf dem Achterdeck befinden sich wiederum die Winschen, welche zum Festmachen des Schiffes erforderlich sind. Aus nächster Nähe sehe und höre ich das Resultat des 80.000 PS starken Motors. In Verdrängerfahrt verrichtet die Schiffsschraube unermüdlich ihre Schwerstarbeit. Die Schiffsschraube ist mit ihren 10 m so groß wie ein Einfamilienhaus. In Rotation bildet sie eine Kreisfläche von immerhin mehr als 78 qm -  genug Wohnraum für eine Studenten WG. So ruhig die See auch ist, im Heckwasser geht es mächtig zur Sache und die Spuren der Hatsu Crystal sind noch weit in der Ferne zu erkennen.


Auf meinem Sonnendeck habe ich wieder die Zuschauerperspektive auf den bunten Container-Park. Mein Rundgang hat mit einigen Unterbrechungen immerhin eine halbe Stunde gedauert. Da sind sie wieder, die Dimensionen. Der Rundgang kommt einem 800-Meter-Lauf gleich. Die Längsausdehnung der Hatsu Crystal ist mehr als drei Mal so groß wie die Länge des Spielfeldes im - für mich schönsten - Fußballstadion der Welt. Dort feuern die m.E. sympathischsten Fans der Welt den besten Verein der Welt an. Für alle Nicht-Fußballfans: Das ist natürlich der BVB.

Gegen Nachmittag ist auf dem Wasser eine Menge los. Delphine spielen in den Wellen, die unser Schiff im Wasser hinterlässt. Es ist ein Phänomen, welches man oft auf See beobachten kann. Delfine lieben die Bugwellen von Schiffen, Motorbooten oder großen Walen. Sie reiten wie Surfer auf und in den Wasserbergen, ohne dafür viel Kraft aufwenden zu müssen. Einen wissenschaftlichen Grund für dieses Verhalten gibt es bislang nicht und somit ist es rein auf die Verspieltheit der Meerssäuger zurückzuführen.


Zum ersten Mal seit 10 Tagen ist wieder Land in Sicht. Zu beiden Seiten des roten Meeres passieren wir kleinere, offenbar unbewohnte, karg erscheinende Inseln. Die vielen Ölbohranlagen sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir nun entlang der Saudi-arabischen Küste, nur wenige 100 km vor Suez, unterwegs sind. Da neben zahlreichen Container- und Bulk-Frachtern auch viele Öltanker aus dem Persischen Golf die Asien-Europa Route nutzen, nimmt der Verkehr erheblich zu.

Heute Abend werden wir einige Seemeilen vor dem Suez Kanal vor Anker gehen, bevor wir morgen in den frühen Morgenstunden mit dem ersten Schub im Geleitzug den Suez Kanal passieren und uns auf den Weg nach Europa machen.

Es bleibt spannend! Zwischen uns und unserer Ausschiffung in Piräus liegt jetzt nur noch der Suez Kanal und das Ägäische Meer. Langsam freue ich mich auf den festen Boden unter meinen Füßen. Ich werde weiter berichten.

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