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Blog | | von C. Lohoff

Entwicklungen am Golf von Aden

Nach knapp fünf Jahren der vermeintlichen Ruhe im Golf von Aden, vermehren sich die Anzeichen für eine erhöhte Bedrohungslage in der (einstigen) Pirateriehochburg. Innerhalb der letzten drei Wochen kam es zu fünf Vorfällen, von denen vier mit der Entführung von Schiffen endeten.

Es fällt schwer zu glauben, dass dies nur eine zufällige und vorübergehende Häufung von Fällen ist. Sowohl die Vorgehensweise der Piraten als auch die strukturellen Rahmenbedingungen ähneln denen von vor zehn Jahren stark. Das Zusammentreffen von Dürren, fehlenden staatlichen Strukturen und dem Vormarsch extremistischer Gruppierungen ist ein idealer Nährboden für ein erneutes Erstarken der Piraterie. Hinzu kommt das Ende der NATO Operation Ocean Shield im November letzten Jahres, durch das Piraten wieder ihre Chancen wittern könnten. Dennoch sollte die aktuelle Situation weder über- noch unterschätzt werden. Ein Überblick:

Somalia gilt nach wie vor als failed state und ist von geordneten staatlichen Strukturen weit entfernt. In dem Land, das seit zwanzig Jahren keine funktionierende Zentralregierung mehr hatte,  wurde zwar im Februar ein neuer Präsident gewählt, doch ob diese Wahl der erhoffte Meilenstein in Richtung Demokratie ist, bleibt abzuwarten. Bisher scheint die Wahl eher ein Meilenstein der Korruption in der somalischen Geschichte zu sein, wie viele Analysten laut New York Times berichten. Eine bemerkenswerte Aussage, wenn man bedenkt, dass Somalia dem Korruptionsindex von Transparency International den letzten Platz belegt. Der frühere Präsident des Landes hatte der Bevölkerung zwar Volkswahlen versprochen, stattdessen hat man auf Grund der Sicherheitslage aber auf ein System aus Wahlmänner und Wahlfrauen zurückgegriffen, das sich stark auf die existierenden Clan-Strukturen stützt.  Zudem war der Stimmenkauf so vereinfacht, da die Wahlmänner und –frauen im Vorhinein feststanden.

Diese Manifestierung alter, und erwiesenermaßen gescheiterter, gesellschaftlicher Strukturen ist Teil eines Teufelskreises: Die Regierung verliert ihre sowieso schon eingeschränkte Legitimation weiter, die Bevölkerung verliert durch die andauernden Kämpfe von Milizen und Regierung um Land und Macht seine Lebensgrundlage und hält wiederum an den etablierten Clan-Strukturen als einzigem Strohhalm fest.

Hinzu kommt die aktuelle Dürre. Durch das Wetterphänomen El Niño, das sich durch extreme Dürren und sinnflutartige Regenfälle bemerkbar macht, sind mittlerweile mehr als sechs Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es droht eine Hungersnot, die vor allem die Menschen auf dem Land treffen wird und somit zu einem entscheidenden Faktor für die politische Zukunft des Landes wird. Sollte es Al-Shaabab gelingen, ihre Kämpfer besser zu versorgen als die Regierung und internationalen Allianzen, könnte dies das vorläufige Ende des staatlichen Wiederaufbaus bedeuten. Weiterer Faktor, der die Auswirkungen der Dürre noch verstärken könnte, ist Berichten zufolge der erneute Anstieg illegaler Fischerei  vor der somalischen Küste und die damit einhergehende Perspektivlosigkeit der lokalen Bevölkerung.

Wie sich die Situation vor der somalischen Küste für die internationale Schifffahrt entwickelt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Fest steht nur, dass besonders die drei Entführungen kleinerer Cargo Schiffe den Piraten neue Möglichkeiten bieten könnten, diese als Mutterschiffe für zukünftige größere Angriffe zu nutzen. Neues Potential für die Piraterie würden auch die Unterstützungen aus Jemen bedeuten, von denen ein ehemaliger Offizier zu berichten wusste. Demzufolge sollen somalische Piraten mit Waffen, Booten und anderer Ausrüstung aus dem Jemen beliefert werden.

Für eine neue Einschätzung der Lage im Golf von Aden ist es wohl noch zu früh. Die Situation muss weiter mit erhöhter Aufmerksamkeit beobachtet werden. Dazu gehört vor allem die unbedingte Implementierung von Sicherheitskonzepten gemäß BMP 4.

 

Quellen: New York Times, Tagesschau, Deutschlandradio, UNOCHA, Voice of America

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