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Blog | | von P. Bensmann

Deutlicher Anstieg der Erpressungsfälle

Eine Einschätzung von Geschäftsführer Peter Bensmann

Laut der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistik (PKS, 24.04.2017) ist die Zahl der Erpressungen nach § 253 StGB von 6.980 Fällen in 2015 auf 7.826 in 2016 gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 12,1 %. Eine genaue Opfergruppe kann nicht definiert werden. Warum Erpressungsfälle zugenommen haben bleibt nur zu mutmaßen – möglicherweise ist ein Grund die Anonymität, die meist mit einer Erpressung einhergeht.

Während ein Entführer oder eine Person, die einen schweren Raub begeht, damit rechnen muss, seinem Opfer Gewalt anzutun, kann eine Erpressung aus dem Hintergrund organisiert und vollzogen werden. Oftmals reicht schon eine private finanzielle Schieflage, die zu Neid gegenüber anderen Personen führt. Ein weiterer, viel diskutierter Aspekt ist die so genannte soziale Schere, die in Deutschland immer weiter auseinander geht. Auch diese Entwicklungen lassen viel Raum für Neider.  

Vielfach beobachten Experten eine überwiegend gebildete Tätertypologie bei Erpressungen. Das kann auch daran liegen, dass eine Erpressung in den meisten Fällen eine planerische Tat ist. Die Kombination aus intensiver Planung sowie Anonymität hat ebenfalls einen Einfluss auf die geringe Aufklärungsquote von 61,8 %.

Die Schwachstelle bei einer Erpressung ist die Geldübergabe. Sollte der Täter so weit kommen, dass er „nur noch“ das Geld nehmen muss, so kommt es immer häufiger vor, dass der Täter unkonzentriert wird. Nach möglicherweise monatelanger Planung ist man dem Ziel so nah – ein Tunnelblick ist in diesen Situationen wohl kaum zu vermeiden.

Doch was können wir neben der Hoffnung auf Fehler vom Täter machen?

Ein präventives Krisenmanagement ist wichtig, um Prozesse und Abstimmungen für eine mögliche Erpressung durchzugehen. Es geht dabei darum, den Schutz des Opfers zu optimieren. Neben der Koordinierung unterschiedlicher Interessenslagen (Opfer, Familien, Strafverfolgungsbehörde, uvm.) bedarf es auch einer gut durchdachten und vorbereiteten Krisen-PR. 

Des Weiteren sollte eine eigene fachliche Beurteilung der Ernsthaftigkeit der Erpressung vorgenommen werden sowie eine Überprüfung des Umfeldes des Opfers. Nicht zu vergessen ist die enorm wichtige psychologische Betreuung während und nach einer Erpressung.

Die steigende Bedrohungslage ist nicht zu unterschätzen. Die Situation ist aber nicht hoffnungslos -  durch die dargestellten Maßnahmen und weiteren zu beachtenden Tipps kann das Risiko kalkulierbar gemacht werden.

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